Erster Camcore-Spielfilm »Phantomschmerz« im ausverkauften Theater gezeigt Eine rundum gelungene Weltpremiere

Espelkamp (WB). Die Zuschauer haben es am Samstagabend scheinbar kaum abwarten können. Schon deutlich vor dem offiziellen Einlass zur Weltpremiere von »Phantomschmerz« bildet sich vor dem Espelkamper Theater eine lange Schlange.

Von Florian Hemann
Andreas Olenberg (rechts) und Daniel Littau stehen vor dem Filmplakat ihres ersten Spielfilms. »Phantomschmerz« hat am Samstagabend im ausverkauften Neuen Theater seine Weltpremiere gefeiert. Offizieller Kinostart ist am 6. September. Foto: Florian Hemann

Jahrelange Arbeit

Bei Andreas Olenberg und Daniel Littau steigt sichtlich die Nervosität. Gleich wird sich

zeigen, wie ihr erster Spielfilm beim Publikum ankommt und ob sich die jahrelange Arbeit gelohnt hat.

Als ein paar Stunden später der Abspann des Filmdebüts über die Leinwand läuft, weicht die Anspannung der puren Freude. Die Weltpremiere ihres Spielfilms »Phantomschmerz« ist rundum gelungen und das Publikum begeistert. Minutenlanger Applaus und Standing Ovations sprechen für sich. Die Erleichterung der Filmemacher ist greifbar und bei Daniel Littau sind ein paar Freudentränen in den Augen zu sehen.

Keine Filmförderung

Es ist geschafft – drei Jahre lang haben sie und das Camcore-Team auf diesen Moment hingearbeitet. Bereits im jungen Alter von 12 und 13 Jahren haben Olenberg und Littau angefangen, Kurzfilme zu drehen. Über 70 Stück sind es inzwischen. Viele von ihnen wurden prämiert. Nur einen Spielfilm haben sie bis dato nicht produziert. Mit »Phantomschmerz« hat sich das geändert.

Wie bei vielen anderen Spielfilmen auch, kontaktierten Littau und Olenberg die NRW-Filmförderung. »Doch wir haben uns nicht bewerben dürfen, weil wir noch Studenten sind«, erklärt Andreas Olenberg bei der Pressekonferenz. »Das finde ich schade, wir brauchten doch keine Million. Letztlich sind es immer dieselben Produktionen, die gefördert werden«, kritisiert er.

Crowdfunding

Doch die beiden Freunde, die auch die Filmproduktionsfirma Camcore gründeten, fanden einen Weg über Crowdfunding samt 300 privaten Spendern und etwa 50 Sponsoren aus der Region. Mütter und Großmütter des Teams kümmerten sich derweil um das Essen. Die Schauspieler kamen umsonst in heimischen Hotels unter. Gedreht wurde zur Hälfte in Espelkamp und der Rest ausschließlich in OWL. »In Berlin wäre das deutlich teuerer gewesen«, sagt Olenberg. Drehorte waren unter anderem Schmalge, die Rahdener Marktschänke, das Krankenhaus Lübbecke oder die JVA Brackwede.

50.000 Euro hat der Film gekostet, was in der Filmwelt ein finanzieller Witz ist. »Bei den großen Filmen wie ›Fack ju Göhte‹ kostet allein das Catering für Elyas M’Barek so viel«, scherzt Littau vor Beginn des Films im Theatersaal. Espelkamp ist von ihm und Olenberg bewusst für die Weltpremiere ausgewählt worden. »Hier haben wir gedreht und deshalb muss das hier sein«, so Olenberg. Da das Elite-Kino zu klein gewesen wäre, wurde das Theater mit einer großen Leinwand (10 mal 4,5 Meter) zum Kino umfunktioniert. »Allein das Team wäre für das Elite-Kino zu groß gewesen«, sagt Olenberg. Die Mehrheit der Zuschauer waren Unterstützer und Sponsoren, die anderen Karten waren innerhalb eines Tages ausverkauft.

Keine Gagen

Möglich wurde die Produktion von »Phantomschmerz« außerdem dadurch, dass die Schauspieler auf ihre Gage verzichtet haben. Das gilt auch für die bekannten TV-Schauspieler wie Katy Karrenbauer (»Hinter Gittern«) und Sven Martinek (»Der Clown«). Letzterer spielt neben Littau eine der beiden Hauptpersonen.

Am Donnerstag hat Martinek im Gespräch mit dem ZDF die Zusammenarbeit mit Olenberg und Littau gelobt. Er konnte bei der Premiere in Espelkamp aber aufgrund von Dreharbeiten in Leipzig nicht dabei sein. »So einer wie Sven Martinek ist eigentlich immer am Drehen. Wir hatten so viel Glück, dass er für unsere Dreharbeiten 23 Tage Zeit hatte«, sagt Olenberg und betont die Harmonie zwischen TV-Star und ihnen.

Organhandel

Vor allem das Drehbuch habe Martinek überzeugt. In »Phantomschmerz« geht es um Organhandel. »Aber es ist auch ein Familiendrama«, sagt Olenberg. Überhaupt möchte er den Film nicht in eine Schublade stecken. »Phantomschmerz« beginne als Drama und werde zum Ende hin immer mehr zum Thriller. Mehr sei an dieser Stelle nicht gesagt. Ab dem 6. September wird der Film bundesweit in den Kinos starten . 44 Kinos sind es zum aktuellen Zeitpunkt.

Und wie geht es für Olenberg und Littau weiter? Sonntag ging es für sie um 7 Uhr nach Berlin. Dort war am Abend im Zoopalast Premiere, am heutigen Montag dann im Kino in Rahden und Dienstag in Bielefeld. So stressig geht es die ganze Woche über weiter und dennoch denken Olenberg und Littau bereits an die nächsten Projekte. Olenberg: »Wir werden sicher noch einen Spielfilm produzieren oder aber die erste Serie aus OWL. Wir werden erst einmal Ideen sammeln und dann schauen, wo das Interesse liegt. Schön wäre es natürlich, wenn wir über den Film einen Draht zu Netflix bekommen.«

www.phantomschmerz-film.de