Dorfladen Häger beteiligt sich am Projekt Gemeinwohl-Ökonomie Geld ist nicht alles

Werther (WB). Die Mitarbeiter können auch ihre eigenen Chefs sein, die Produkte stammen zum großen Teil aus der Region, das Geldverdienen ist nur Nebensache, Hauptziel ist die Versorgung der Bevölkerung. Mit diesen Attributen bewirbt sich der Dorfladen Häger um das Zertifikat »Gemeinwohl-Ökonomie«.

Von Klaus-Peter Schillig
Lisa Schnellbügl (von links), Studentin im Fach Soziale Arbeit, hat bereits Interviews geführt mit Wolfgang Lamek, Uwe Gehring und Janis Galli vom Dorfladen. Professor Dr. Oliver Bierhoff leitet das Projekt an der Fachhochschule Bielefeld. Foto: Klaus-Peter Schillig

Das Projekt geht hervor aus dem Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie mit Sitz in Hamburg. Er beschreibt ein Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohl-orientierten Werten aufgebaut ist. Als Projektpartner im Raum Bielefeld fungiert der Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule. Professor Dr. Oliver Bierhoff leitet das Projekt zusammen mit seinen Studenten im Fach Soziale Arbeit. Einer ist Janis Galli. Der arbeitet nicht nur im Vorstand des Dorfladens Häger mit, sondern hilft auch regelmäßig im Geschäft mit. Er machte den Vorschlag, sich an der Zertifizierung zu beteiligen und stieß bei seinen Vorstandskollegen auf offene Ohren.

Volle Punktzahl zu erreichen ist eigentlich nicht möglich

Eine weitere Studentin ist Lisa Schnellbügl, die ebenfalls in Werther wohnt und bereits Interviews mit Dorfladen-Vorsitzendem Uwe Gehring und Vorstandsmitglied Wolfgang Lamek sowie weiteren Mitarbeitern im und rund um den Dorfladen geführt hat. Abgefragt wird, nach zwei vorbereitenden Informationsveranstaltungen, ein vorgegebenes Themenspektrum. Da geht es um Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, um ökologische Nachhaltigkeit sowie um Transparenz und Mitentscheidung. Diese vier Schwerpunktthemen wiederum beziehen sich auf Lieferanten, Eigentümer und Finanzierungspartner, Kunden und das gesellschaftliche Umfeld.

»Überall die volle Punktzahl zu erreichen ist eigentlich nicht möglich«, sagt Professor Bierhoff. Das gilt für Industrieunternehmen ebenso wie für Freiberufler oder eben den kleinen Dorfladen in Häger. Für den FH-Dozenten ist die Beteiligung an der Zertifizierung ein Baustein einer Sozialraumentwicklung.

Viele Kriterien schon vom Start weg erfüllt

»Die Gemeinwohl-Ökonomie ist auf dem Vormarsch,« sagt Uwe Gehring. Auch große Unternehmen könnten die Kriterien erfüllen. Wichtig sei vor allem, sich mit der Materie zu beschäftigen, um ein Umdenken im gesamten Wirtschaftssystem zu erreichen.

So war es für den Vorstand und die Mitarbeiter des Dorfladens keine Frage, sich an dem Projekt zu beteiligen. Schließlich sind vom Start weg viele Kriterien erfüllt. Das Miteinander der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter im Laden, die Vereinsstruktur, bei der die Gewinnmaximierung quasi nicht vorkommt, sondern erwirtschaftete Überschüsse gleich wieder in den Laden investiert werden.

Und weil auch die Zulieferer in die Bewertung einfließen, wollen die Hägeraner bei ihren Anbietern künftig noch genauer nachfragen. Da fängt die Menschenwürde schon bei der Hühnerhaltung des Eierlieferanten an. »Wir machen den Prozess mit, um nachher selbst zu sehen, wo wir stehen,« sagt Wolfgang Lamek. »Und auch dann sind wir nicht am Ende.« Professor Bierhoff jedenfalls ist sicher: »Der Dorfladen wird viele Punkte bekommen.«