Er soll Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als »frechen Judenfunktionär« bezeichnet haben Volksverhetzung: Rechtsextremist Sascha Krolzig muss in Haft

Bielefeld (WB/fw). Sascha Krolzig soll den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als »frechen Judenfunktionär« bezeichnet haben. Dafür muss der Bundesvorsitzende der rechtsextremen Partei »Die Rechte« in Haft. Damit lehnte das Landgericht Bielefeld die Berufung des 32-Jährigen ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sascha Krolzig im Gerichtssaal. Die Berufung des Rechtsextremisten wurde vom Landgericht Bielefeld verworfen. Foto: Florian Weyand

»Es gibt keinen Zweifel am volksverhetzenden Charakter«, urteilte der vorsitzende Richter über den Text, den Krolzig im Jahr 2016 auf der Internetseite seiner Partei veröffentlichte. Darin nannte der Funktionär den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, Matitjahu Kellig, einen »selbstgefälligen frechen Judenfunktionär«. Kellig zeigte den mehrfach vorbestraften Krolzig an.

Bereits im Vorjahr hatte das Amtsgericht Bielefeld Krolzig wegen Volksverhetzung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt. Dagegen hatte er Berufung eingelegt – die jetzt aber vom Landgericht Bielefeld verworfen wurde.

Kellig: »Ich habe eine Bedrohung gespürt«

Matitjahu Kellig, der gestern als einziger Zeuge aussagen musste, sah man die Leiden der vergangenen drei Jahre an. Der 70-jährige emeritierte Musikprofessor schilderte bewegt, wie sich sein Leben nach der Veröffentlichung des Textes verändert habe. »Ich habe eine Bedrohung gespürt«, sagte er. Noch heute nehme er medizinische Hilfe in Anspruch. Sein Wohnort sei geheim, das Haus habe er mit Sicherheitstechnik ausgerüstet.

»Die Sache beeinträchtigt mich in meiner Lebensqualität«, sagte Kellig, der nach der Verhandlung von rechten Aktivisten verbal attackiert wurde. »Bekomme ich ein Autogramm von Ihnen?«, war nur einer der polemischen Sprüche in Richtung des jüdischen Gemeindevorsitzenden. Justizbeamte mussten eingreifen, um die Lage zu beruhigen. Personenschutz für den Zeugen hatte der Bielefelder Staatsschutz laut »WDR« nicht gewährt.

Rechter liefert sich Wortgefecht mit Journalisten

Als er am Donnerstag nun den Gerichtssaal gegen 10.15 Uhr betrat, bejubelten seine Anhänger ihn lautstark und begrüßten ihn mit »Sascha«-Rufen, ehe sie zur Ruhe ermahnt wurden. Ein Anhänger der Rechten lieferte sich zudem ein Wortgefecht mit anwesenden Journalisten. Der Prozess selbst wurde dann jedoch vertagt, auf 13 Uhr, da Krolzigs Anwalt sich verspätet hatte.

Das Verfahren gegen Krolzig steht im Schatten des Anschlags von Halle. Ein schwerbewaffneter mutmaßlicher Rechtsextremist hatte am Mittwoch versucht, in die Synagoge einzudringen und dort unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Sein Versuch scheiterte, woraufhin er vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben soll.

Solidarität mit der jüdischen Gemeinde

Neben Aktivisten der Rechten und Mitgliedern der Antifa waren aber auch Vertreter der Jüdischen Gemeinde im Gerichtssaal. Weitere Zuschauer solidarisierten sich in Gesprächen mit Medienvertretern mit Matitjahu Kellig. »Ich wäre aber auch ohne diesen Vorfall zu dem Termin gekommen, um meine Unterstützung für die jüdische Gemeinde zu zeigen«, sagt ein Zuschauer.