Abgeordneter wendet sich an Innenminister Herbert Reul Streit um Polizeitraining erreicht Landesregierung

Bielefeld (WB). Die Disziplinarermittlungen der Bielefelder Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere gegen einen Streifenbeamten, der sich privat weitergebildet hat, rufen jetzt die Politik auf den Plan.

Von Christian Althoff
Polizisten trainieren im Alpha-Sports-Club, wie man zu zweit einen Angreifer überwältigt, ohne sich gegenseitig zu behindern.

Der CDU-Innenexperte und Landtagsabgeordnete Gregor Golland aus Frechen sagte am Freitag, er habe den Fall zum Anlass genommen, an NRW-Innenminister Herbert Reul zu schreiben.

Zum Inhalt seines Briefes wollte Golland, der Mitglied im Innenausschuss ist, aber noch nichts sagen. »Der Respekt vor dem Minister gebietet, dass ich mich noch nicht öffentlich äußere.« Anfang der Woche hatte Golland bereits gesagt, das Land müsse das Training der Polizisten »vielleicht wirklich einsatznäher gestalten«.

Verbotene Vernehmungsmethode?

Hintergrund: Durch einen RTL-Beitrag und ein Werbevideo auf der Homepage des Bielefelder Alpha-Sports-Clubs war die Bielefelder Polizei darauf aufmerksam geworden, dass Beamte in ihrer Freizeit Kurse absolvieren, um sich für die härter gewordenen Anforderungen im Streifenalltag zu wappnen (WESTFALEN-BLATT vom 18. September).

Polizisten loben in dem Video neben dem theoretischen Teil des Unterrichts, dass sie die neuesten Techniken vermittelt bekämen und heben hervor, dass es wichtig sei, regelmäßig zu trainieren – also häufiger, als es von der Polizei angeboten wird.

Ein Dienstgruppenleiter erkannte im Video einen Polizisten an der Stimme. Gegen den wird nun ermittelt. Offizielle Begründung: Er habe unerlaubt an einem Werbevideo mitgewirkt und möglicherweise beim Privattraining Uniform getragen.

Bei der Vernehmung des Beamten soll eine Polizeioberrätin gesagt haben, wenn er im Video nicht nur gesprochen, sondern auch maskiert trainiert habe, solle er das besser zugeben. Sie könne das Video auch beim Bundeskriminalamt auswerten lassen, um ihn anhand von Körpermerkmalen zu identifizieren.

Dazu sagte ein leitender Polizeibeamter aus dem Präsidium dem WESTFALEN-BLATT: »Es stellt sich die Frage, ob das nicht bereits eine verbotene Vernehmungsmethode war. Das müsste die Präsidentin eigentlich auch prüfen.«

Schwerpunkt Amok- und Terrorlagen statt Messerangriffe und Schläge

Ein anderer Polizist, der an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Polizisten unterrichtet, sagte, das Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei (LAFP) lege beim Einsatztraining den Schwerpunkt auf Amok- und Terrorlagen.

»Aktuell haben es Streifenbeamte aber immer öfter mit Messerangriffen und Schlägern zu tun. Wir sollten die Ausbildung deshalb schleunigst anpassen.« Konkret gehe es darum, wie Polizisten reagieren sollten, wenn ihnen ein Angreifer in unmittelbarer Nähe gegenüberstehe.

Wie viele Stunden Polizisten die Abwehr von Angriffen und das Überwältigen von Tätern regulär trainieren – das kann das LAFP nicht sagen. Sprecher Victor Ocansey: »Der Zeitansatz lässt sich nicht beziffern, weil diese Techniken Bestandteil des Einsatztrainings insgesamt sind.«